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Bananen

Die Banane steht in der Liste der meistverzehrten Obstsorten hinter dem Apfel auf Platz zwei. Im Jahr 2003 verbrauchte jeder Haushalt in Deutschland durchschnittlich 17,7 kg der süßen Früchte, die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts international gehandelt werden. Um die Nachfrage aus den USA, Europa und Japan zu befriedigen, werden sie in zahlreichen Ländern in großem Stil für den Export angebaut. Dabei kommen Geschmack und Genuss in die Abnehmerländer, während die ökologischen und sozialen Folgen des intensiven Anbaus in den Anbauregionen zurückbleiben. Alternativen bieten ökologischer Anbau und Fairer Handel.

Die Banane gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Die zwei bis fünf Meter hohen Stauden gedeihen überall in der Nähe des Äquators und werden in mehr als 30 Ländern der Erde angebaut. Süße Obstbananen machen in der Fülle der verschiedenen Sorten nur einen geringen Teil aus. Für den Export in die Industriestaaten wird fast ausschließlich die Sorte Cavendish angebaut, die rund um den Globus das gelbe Idealbild der Banane prägte. Die Bananen in hiesigen Obstständen kommen vor allem aus Lateinamerika, wo sie zumeist auf großen Plantagen angebaut werden. Auf den riesigen Flächen stehen im konventionellen Anbau dicht an dicht ausschließlich Bananenstauden, was die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen begünstigt. Um die Ernten zu sichern, werden die Pflanzen mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Schon während des Wachstums erhalten die Fruchtstände, an denen sich die Bananenfrüchte entwickeln, Plastikhüllen, die von innen mit Pestiziden imprägniert sind. Zusätzlich werden die Mittel gegen Unkräuter, Würmer, Insekten, Schimmel aus Flugzeugen über die Anbauflächen gesprüht und per Hand auf die Pflanzen aufgebracht. Allein in Costa Rica kommen so jährlich etwa 40 kg Pflanzenschutzmittel auf jeden Hektar Bananenanbaufläche. Bis zu 50 mal im Jahr fliegen Pestizidflugzeuge über die Anpflanzungen –  auch wenn Arbeiter in den Anpflanzungen sind. Ein großer Teil der Pflanzenschutzmittel wird in die Umgebung verweht. Regenfälle spülen die Gifte in die Böden und Gewässer. Über Ausschwemmungen in Grundwasser gehen sie ihren Weg ins Trinkwasser und schließlich ins Meer – Korallenriffe und Fischbestände vor den Küsten der Bananenanbauländer werden schwer geschädigt.

Die Arbeit auf Bananenplantagen ist hart und wird schlecht bezahlt. In der Regel drücken die Plantagenbesitzer die Arbeiter unter die gesetzlichen Mindestlöhne. Träger, Wäscher, Verpacker und alle anderen Bananenarbeiter haben Kurzzeitverträge oder sind Tagelöhner. Zudem sind sie Pflanzenschutzmitteln direkt ausgesetzt, weil Atemmasken und Schutzanzüge fehlen. Erkrankungen der Atemwege, der Haut, der Nerven und der Augen sind daher unter den Plantagenarbeitern weit verbreitet. Auch Unfruchtbarkeit, Krebs, Missbildungen bei ihren Kindern und akute Vergiftungen sind schwere Folgen des regelmäßigen Umgangs mit den Giften. Die Plantagenarbeiter sind auf die geringen Löhne angewiesen. Gewerkschaftliche Organisation wird unterbunden, Gewerkschaftsmitgliedern drohen Entlassungen. So ist es Bananenarbeitern kaum möglich, bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Eine echte Alternative für Produzenten und Verbraucher sind Bananen aus ökologischem Anbau und Fairem Handel. Seit  einiger Zeit sind die öko-fairen Früchte in den hiesigen Supermärkten, Weltläden, Bioläden und Reformhäusern im Sortiment.

Ökologischer Anbau
Im Bio-Anbau von Bananen sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzund Düngemittel verboten. Stattdessen wird der Anbau an den ökologischen Besonderheiten des Regenwaldes ausgerichtet. In so genannten Mischkulturen, in denen nicht nur Früchte für den Export wachsen, werden die Artenvielfalt erhalten, die Böden mit Nährstoffen versorgt und Schädlinge auf natürliche Weise in Schach gehalten. So geben etwa Mangobäume Schatten, Bananenpflanzen halten den Boden fest und dazwischen wachsen Gemüse und Hülsenfrüchte, die dem Boden Stickstoff geben und Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung sind. In der Vielfalt dieser unterschiedlichen Pflanzen können sich Schädlinge und Krankheitserreger nicht ungehindert ausbreiten. Größere Abstände zwischen den Pflanzen und sorgfältige Bodenpflege sorgen dafür, dass die Bananenpflanzen weniger anfällig für Krankheiten sind. Diese völlig andere Art der Landwirtschaft schont die natürlichen Lebensgrundlagen und die Gesundheit der Menschen in den Anbauländern. Und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in aller Welt profitieren von den Früchten, die häufig fester und aromatischer als ihre konventionellen Kolleginnen sind.

Fairer Handel
Weltweit arbeiten 18 Bananenanbaubetriebe nach den Kriterien des Fairen Handels. Die Kleinbauernzusammenschlüsse und Plantagen wirtschaften nach sozialen und ökologischen Kriterien, die den Bauern und Arbeitern den Aufbau einer sicheren Existenz ermöglichen. Im Fairen Handel verkaufen die Bananenbauern ihre Früchte an Partnerorganisationen und Unternehmen zu einem garantierten Mindestpreis, der die Markt- und Produktionsbedingungen des jeweiligen Anbaulandes berücksichtigt. Er deckt in jedem Fall die Kosten für ökologisch und sozial angemessene Produktionsbedingungen sowie die Lebenshaltungskosten, zu denen auch Ausgaben für medizinische Versorgung und Schulbesuche der Kinder gezählt werden. Zusätzlich erhalten die Produzenten für jede in den Fairen Handel verkaufte Kiste Bananen (ca. 18 kg) einen Fairtrade-Aufschlag. Er beläuft sich zurzeit auf 1,75 US-Dollar und dient der Finanzierung gemeinschaftlicher Projekte. Alle Mitglieder der Produzentenorganisation bzw. alle Beschäftigen einer Plantage entscheiden gemeinsam über seine Verwendung. Bildungs- oder Gesundheitsprojekte, die Verbesserung der Infrastruktur oder die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft können mit Hilfe des Fairtrade-Aufschlags realisiert werden.

Faire Handelsbeziehungen sind langfristig angelegt. Die Abnehmer der Früchte, die sie nach und in Europa mit den Gütesiegeln des Fairen Handels verkaufen, verpflichten sich auf längere Zeit zur Abnahme bestimmter Mengen. Zusammen mit dem garantierten Mindestpreis schafft dies für die Bauern eine Planungsgrundlage für ihr Unternehmen. Die Bananenplantagen und Kleinbauerngenossenschaften, die für den Fairen Handel produzieren, halten arbeitsrechtliche und soziale Mindeststandards ein. Dazu gehören zum Beispiel die Bereitstellung von Schutzkleidung, feste Arbeitsverträge, geregelte Pausenzeiten und bezahlte Überstunden. Zwangs- und Kinderarbeit sind verboten. Maßnahmen zum Schutz der Gewässer insbesondere vor Erosionen sind ebenfalls obligatorisch. Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden wird auf das unbedingt notwenige Maß beschränkt, beim Umgang mit den giftigen Chemikalien werden besondere Schutzmaßnahmen ergriffen. Die Arbeiter haben grundsätzlich das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren und auf Plantagen unabhängige Vertretungen zu bilden.

Öko-faire Bananen in Deutschland
Die fairen Bananen, die Sie hierzulande in Welt- und Bioläden sowie in immer mehr Supermärkten finden, stammen aus Ecuador, der Dominikanischen Republik und Peru wo sie auf Plantagen und von Kleinbauernkooperativen ökologisch angebaut werden. Sie erkennen die fairen Bio-Früchte am international gültigen TransFair-Zeichen. Seit Mai 2004 gehören sie zum Sortiment von Kaiser’s Tengelmann und Edeka-Filialen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. In Weltläden und Bioläden erkennen Sie die fairen Früchte auch am Zeichen von BanaFair. Der Verein ist seit vielen Jahren auf den Import fairer Bananen spezialisiert. Auch diese Früchte sind ökologisch angebaut.

Ausführliche Informationen zum konventionellen und ökologischen Bananenanbau, zum Handel und zu den Projekten des Fairen Handels finden Sie im Themenspecial Bananen auf www.oeko-fair.de.


Autorin: Laura Groche
Artikel mit geringfügigen Änderungen entnommen aus Verbraucher konkret 1/2005


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