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Honig

Jedes Jahr erzeugen 80.000 Imker in Deutschland rund 30.000 t Honig. Doch der Bedarf ist viel größer, isst doch jeder Bundesbürger durchschnittlich 1,2 Kilogramm pro Jahr. Der größte Teil des Honigs wird daher importiert – auch aus Ländern der „Dritten Welt“.

Honigfreunde haben die Wahl zwischen verschiedenen Blüten- und Honigtauhonigen, sie können sich für festen, cremigen und sogar Wabenhonig entscheiden. Wem die Haltung der Bienen und die Naturbelassenheit der Blüten wichtig sind, wählt ökologisch erzeugten Honig. Und wer es lieber exotisch mag, kann mit dem Griff zu Honig aus Fairem Handel Kleinbauern in Afrika und Lateinamerika unterstützen.

Bienen liefern nicht nur süßen Honig. Während sie Nektar und Honigtau sammeln, bestäuben sie Kultur- und Wildpflanzen. Nur dadurch sind der landwirtschaftliche Anbau von Obst und Feldfrüchten möglich und die Erträge zahlreicher Nutzpflanzen gesichert. Qualitätseinbußen werden durch die Bienenbestäubung gering gehalten, da auf diese Weise ein reger Austausch des genetischen Materials stattfindet. Viele Wildpflanzen sind ebenfalls auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Landschaften, in denen Bienen geeignete Bedingungen finden, kommen daher Menschen und Tieren zugute. Die Schaffung und der Erhalt solcher bienengerechten Bedingungen ist ein wesentliches Merkmal der ökologischen Landwirtschaft und Imkerei.

Bio-Honig
Imker die nach den Richtlinien ökologischer Anbauverbände arbeiten, grenzen sich in ihrer Arbeitsweise und der Standortwahl ihrer Völker zu konventionellen Imkern ab. Das war nicht immer so. Erst zu Beginn der neunziger Jahre arbeiteten Bio-Imker eigene Richtlinien aus. Auslöser war damals die Behandlung der Bienenvölker gegen die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe. So verwenden Bio-Imker gegen die Milbe lediglich unbedenkliche organische Säuren und ätherische Öle. Damit verhindern sie, dass sich Medikamentenreste in Honig und Wachs wiederfinden. Konventionelle Imker bekämpfen die Milbe dagegen mit chemisch-synthetischen Medikamenten – Rückstände dieser Mittel in Wachs und Honig sind dabei nicht ausgeschlossen. Nicht nur die Krankheiten werden im Sinne der Bienen bekämpft, Bio-Imker handeln konsequent ökologisch. Sie schaffen den Bienen ein naturbelassenes Umfeld, indem sie für Bienenkästen nur natürliche Materialien wie Holz, Lehm oder Stroh verwenden. Kunststoffe sind tabu. Die natürlichen Materialien verhindern, dass sich Feuchtigkeit staut und Schimmel ausbreitet. Gegen Witterungseinflüsse wie Wind und Regen werden die Bienenkästen mit schadstofffreien Farben gestrichen. Der Einsatz von Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden) ist in der Bio-Imkerei verboten. Während der Honigernte werden Bienen in der ökologischen Imkerei nicht mit Hilfe chemischer Mittel, sondern zum Beispiel mit Rauch eingeschüchtert. Ein Bienenvolk beweidet eine Fläche von 30 bis 160 qm – der Auswahl geeigneter Flächen kommt also eine hohe Bedeutung zu. Bio-Imker bevorzugen ökologisch bewirtschaftete Felder oder Flächen mit Wildpflanzen. Sie stellen die Völker nicht in konventionelle Intensivkulturen, Felder mit gentechnisch veränderten Organismen oder gar in die Nähe von Industrieanlagen. Auf diese Weise verhindern sie, dass Verunreinigungen und Fremdstoffe in den Honig geraten. Da über das Wachs Fremdstoffe in den Honig gelangen können, legen Bio-Imker besonderen Wert auf die Reinheit des Wachses. Sie verwenden weder Wachszusätze noch Bleichmittel und tauschen es zudem regelmäßig aus.

Traubenzucker, Fruchtzucker und Wasser haben den mengenmäßig größten Anteil am Honig. Seine charakteristische Farbe, Geruch und Geschmack erhält er aber durch eine ganze Reihe weiterer Inhaltsstoffe. Dazu gehören Enzyme, Mineralstoffe, Aminosäuren, Säuren, Vitamine, Aromastoffe und Hefen. Sie im Verlauf der Herstellung zu erhalten, erfordert Sorgfalt und Umsicht. So darf die Temperatur während der Honiggewinnung und –abfüllung nicht über 40 °C steigen, damit die Enzyme erhalten bleiben. Der Wassergehalt bestimmt die Haltbarkeit von Honig – je weniger Wasser er enthält, desto länger ist er haltbar. In Bio-Honig darf maximal 18 % Wasser enthalten sein, wohingegen der Wassergehalt in konventionellem Honig bis zu 20 % betragen darf.

Ökologische Imkerei hält die Verunreinigungen im Honig gering, schont die Umwelt und die  Bienen und dient auch der Gesundheit der Imker. Auch in anderen Ländern wird daher Bio-Honig gewonnen. Für Kleinbauern in Lateinamerika und Afrika bietet der Faire Handel die Möglichkeit, mit der Imkerei Zusatzeinkommen zu erwirtschaften. Die Umstellung auf ökologische Verfahren wird ihnen zusätzlich erleichtert und mit höheren Preisen belohnt.

Fairer Honig
Der Großteil unseres Honigs stammt von Imkern in Argentinien und Mexiko. Klimatische  Bedingungen, Vegetation und Kapitaleinsatz für den Aufbau einer Imkerei sind in Lateinamerika günstiger als in Deutschland. Die Imker dort können sehr viel häufiger im Jahr Honig ernten, als ihre deutschen Kollegen. Doch weil er nicht an Börsen gehandelt wird, gibt es für Honig keinen Weltmarktpreis, so dass die Erlöse der Imker sich stark unterscheiden. Die enormen internationalen Preisdifferenzen gehen auf Unterschiede in den Produktionskosten, den Klima- und Vegetationszonen sowie die Höhe der Erträge zurück. Über Zwischenhändler gelangen die Honige schließlich in unsere Läden. Vom Erlös sehen die Imker jedoch nur wenig. Preisunsicherheit und die Abhängigkeit von Zwischenhändlern bedeuten für die Imker in Asien, Afrika und Lateinamerika auch eine unsichere Existenz, da sie teilweise nur vom Honiggewinn leben.

Der Faire Handel greift diese Problematik auf und schließt mit den Zusammenschlüssen k kleinbäuerlicher Familienbetriebe langfristige Lieferverträge ab. Für die Bauern, die Imkerei häufig als Nebenerwerb betreiben, bedeutet das Planungssicherheit, da sie längere Zeit mit dem Zusatzseinkommen rechnen können. Auf Wunsch wird ihnen eine anteilige Vorfinanzierung zur Verfügung gestellt. Basis für die Preisgestaltung im Fairen Handel ist die Verpflichtung der Fair-Handels-Partner einen Preis zu finden, der alle Produktionskosten deckt. Dazu gehören auch angemessene Arbeitslöhne, die zur Sicherung der Lebensgrundlage der Imker und ihrer Familien beitragen, und die den Produzentenorganisationen Spielraum für die Verwirklichung gemeinschaftlicher, sozialer und ökonomischer Ziele geben. Schon seit 1979 wird das TransFair-Siegel für Honig vergeben. Heute finden Sie in Welt- und Bioläden fair gehandelten Honig von Imkergemeinschaften in Guatemala, Chile, Nicaragua und Mexiko.

Sie finden fair gehandelten Honig im Sortiment von gepa und El Puente. Außerhalb der Weltläden erkennen Sie fair gehandelten Honig am TransFair-Siegel. Fairen Honig aus ökologischer Erzeugung trägt zusätzlich das Bio-Siegel.

Ausführliche Informationen zum Thema Honig, seine ökologischen Erzeugung und die Honig-Produzenten im Fairen Handel finden Sie auf www.oeko-fair.de im Themenspecial Honig.

Artikel entnommen aus Verbraucher konkret 5/2004.


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