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Wein

23 Liter Wein werden in Deutschland pro Kopf und Jahr getrunken. Auf der Suche nach dem persönlichen Lieblingswein spielen verschiedene Qualitätsmerkmale eine Rolle. Mit der Entscheidung für Öko-Wein unterstützen Weinfreunde den Erhalt der Artenvielfalt im Weinberg. Wer gern zu Weinen aus anderen Teilen der Welt greift, hilft mit fair gehandelten Weinen den Winzern in Südafrika, Chile und Algerien.

Seit Mai 2005 gibt es das TransFair-Siegel auch für Wein. Bis dahin hatten die Fairhandelsorganisationen gepa und El Puente mit Weinerzeugern in Südafrika, Chile und Algerien jeweils eigene Modelle für das Weingeschäft erarbeitet. Für die Winzer und Landarbeiter bedeutet fairer Weinhandel Existenzsicherung, die Verbesserung ihres Lebensstandards, Schulbildung für ihre Kinder und nicht zuletzt die Möglichkeit zu unabhängigem, selbstbestimmtem Arbeiten. In den genannten Ländern existieren schon lange Weinbauorganisationen, die diese Ziele für ihre Mitglieder und Beschäftigten verfolgen und Vorbildcharakter für die Regionen haben. Diese Projekte unterstützen die Fairhandelshäuser, indem sie den Weinen den Absatz auf Europas Märkten erleichtern und den Winzern mit fairen Preisen eine verlässliche Planungsgrundlage bieten.

Südafrika
Schon 1958 wurde im südafrikanischen Citrusdal die Winzerkooperative Goue Vallei gegründet. Seit dem setzten sich die 115 Mitgliedsbetriebe für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Landarbeiter ein. Heute stehen ihnen Wohnungen, Elektrizität und Kindergärten zur Verfügung. Die Winzerkooperative erhält im Fairen Handel einen Preisaufschlag von 5 % über dem gängigen Handelspreis. Dieser Mehrerlös geht an die Nichtregierungsorganisation Citrusdal, die damit Fortbildungen für die Landarbeiter finanziert. Die Kooperative hat darüber hinaus eine eigene Vermarktungsorganisation, so dass Gewinne aus dem Verkauf des Weins zurück in die Kooperative fließen. Die Landarbeiter im Goue Vallei bekommen feste Löhne, haben geregelte Arbeitszeiten, feste Pausen, Anspruch auf Urlaub und sind größtenteils gewerkschaftlich organisiert. In eine Rentenversicherung zahlen darüber hinaus Beschäftigte und Arbeitgeber ein. Das deutsche Fairhandelshaus gepa bezieht über die niederländische Fairhandelsorganisation FTO aus Goue Vallei den Roséwein Classique Rosé.

Ebenfalls in Südafrika liegt das Weingut Ruitersvlei, ein Familienbetrieb in der Kapprovinz. 300 ha Rebfläche werden hier bewirtschaftet. Die Landarbeiter haben unbefristete Arbeitsverträge, was im Weinbau eine große Ausnahme ist. Die Beschäftigten verfügen über medizinische Versorgung, Kinderkrippen und haben die Möglichkeit zum vergünstigten Einkauf von Lebensmitteln. Nach ihrer Pensionierung leben die Mitarbeiter mit ihren Familien auf dem Gut. Seit 1997 bezieht die gepa vom Weingut Ruitersvlei den Rotwein Cinsault-Cabernet Sauvignon und den Weißwein Chenin Blanc über ihre niederländische Schwesterorganisation.

Seit Mai 2005 gibt es in Deutschland auch Wein mit TransFair-Siegel. Er stammt aus der Kellerei Stellar Organics an der Westküste Südafrikas. Seit Mitte der 1990er Jahre produzieren die fünf zu Stellar Organics zusammengeschlossenen Weingüter Bio-Wein. Mit Erfolg, wie die Auszeichnung des Merlots 2002 Stellar Organics auf der Bio-Fach 2005 zeigt. Schon im Jahr 2003 erhielt das Unternehmen die Zertifizierung der FLO: Stellar Organics ist damit als Produzent des Fairen Handels akkreditiert. Im Fairen Handel erhalten die Produzentengruppen pro Kilogramm Trauben 0,15 Euro, der Fraitrade-Aufschlag beträgt 0,05 Euro/kg. Der Bio-Aufschlag liegt bei 0,026 Euro/kg Trauben. Stellar Organics stellt seinen Arbeitern kleine Häuser mit Elektrizität, Wasser und Garten zur Verfügung. Die Arbeiter und ihre Familien haben Zugang zu moderner Gesundheitsvorsorge, was in Afrika eine große Ausnahme ist. Der Kindergarten und die Grundschule für die Kinder ist kostenlos, der betriebseigene Schulbus fährt die Schüler weiterführender Schulen zur nächsten Stadt. Auch für Erwachsene werden Fortbildungsmöglichkeiten angeboten. Die ausgezeichneten Weine von Stellar Organics werden von der auf Bio-Weine spezialisierten Firma Peter Riegel Weinimport GmbH nach Deutschland importiert.

Chile
Die Winzer des chilenischen Curico schlossen sich schon 1939 zur Cooperativa Agricola Vitivinicola de Curico zusammen, die unter dem Namen Los Robles bekannt wurde. Ziel war es, über die selbständige Verarbeitung der Trauben bessere Preise für Wein erzielen zu können. Die etwa 100 Mitgliedsbetriebe der Kooperative sind genossenschaftlich organisiert. Entsprechend der Traubenmenge, die die angeschlossenen Winzer jährlich durchschnittlich ernten, müssen sie Anteile an der Genossenschaft erwerben. Die Genossenschaft Los Robles gehört damit den Winzern selbst. Die grundlegenden Entscheidungen der Kooperative trifft ein gewählter Vorstand. Mit dem Ziel, durch eigenständiges Herstellen, Abfüllen und Vermarkten des Weins die Lebensbedingungen in der Region zu verbessern, nimmt die Kooperative auch Trauben von Nichtmitgliedern ab. Im Gegensatz zu den sonst üblichen Gepflogenheiten, nimmt die Kooperative den Winzern die gesamte Erntemenge ab. Die Bauern erhalten darüber hinaus einen monatlichen Abschlag von der Kooperative, statt nur einmal bei Abgabe der Ernte bezahlt zu werden. Sie haben auf diese Weise ein planbares festes Einkommen. Gepa zahlt einen US-Dollar pro Kiste Wein in einen Sozialfonds ein, aus dem Krankenversicherung, Kantinen oder Bewässerungsanlagen finanziert werden. Auch ein Schulbus konnte auf diese Weise angeschafft werden.

Schon lange hat Wein aus Chile einen sehr guten Ruf. Durch seine Lage ist das Land an der Westküste Lateinamerikas bis heute von  Reblaus und Mehltau verschont geblieben. Die Winzer kommen also mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln aus. Darüber hinaus stammt chilenischer Wein vielfach von wurzelechten Reben, die aus dem französischen Bordeaux nach Chile gelangten. Der Export von Qualitätswein ist für Chile also nicht ungewöhnlich, jedoch liegt er fest in der Hand weniger großer Weinexporthäuser. Es spricht umso mehr für das Können, die Erfahrung und die Sorgfalt der Winzer von Los Robles, dass sie unabhängig von diesen Weinhäusern einen ausgezeichneten Exportwein geschaffen haben. Die Überschüsse aus dem Verkauf ihrer Weine nach Europa verwendet die Kooperative für die Modernisierung der gemeinsamen Verarbeitungsanlage, die landwirtschaftliche Beratung der Bauern und soziale Projekte. Gepa bezieht von Los Robles den Weißwein Gran Roble – Sauvignon Blanc und die Rotweine Gran Roble – Cabernet Sauvignon, Los Robles Carmenére sowie Gran Roble Merlot.

In der Sociedad Vitivinicola Sagrada Familia (Gesellschaft der Weinbauern von Sagrada Familia) haben sich 26 Kleinproduzenten zusammengeschlossen. Der Weinbau ist für die Kleinproduzenten ein wichtiges Zusatzeinkommen, das es ihnen ermöglicht, in die eigene Zukunft und die ihrer Kinder zu investieren. Die Winzergesellschaft vermarktet ihr Produkt selbst, und ermöglicht  den Bauern durch Abschlagzahlungen ein regelmäßiges Einkommen. Die Arbeit auf den kleinen Rebflächen liegt in der Hand der Familien. Für die Zeit der Lese werden jedoch zusätzliche Pflücker engagiert, die ihren Lohn abhängig von der Erntemenge bekommen. Durch den Fairen Handel konnte die Winzergemeinschaft einen Weinfachmann einstellen, der Ausbildungskurse für alle Mitglieder abhält. Gepa bietet die Rot- und Weißweine der Winzergesellschaft unter dem Namen El Sur an.

Elf Weinbauern haben sich in Chile zur Kooperative Bodegas San Clemente zusammengeschlossen. Sie bewirtschaften mit 50 festangestellten Mitarbeitern zusammen etwa 200 ha Rebfläche. Alle fest angestellten Mitarbeiter haben einen regulären Arbeitsvertrag und verdienen mehr als durchschnittliche Facharbeiter in Chile. Für die Festangestellten trägt die Kooperative Kranken-, Renten- und Unfallversicherung. Auch Saisonarbeitskräfte sind für den Zeitraum ihrer Anstellung kranken- und unfallversichert. Sie bekommen den gleichen Lohn wie die Festangestellten. Die gemeinnützige Organisation Comparte, die sich für die Förderung kleiner Handwerksbetriebe in Chile einsetzt,
wickelt den Export der Weine für El Puente ab. Auch wenn die natürlichen Bedingungen in Chile ideal sind, kostet die Umstellung auf ökologischen Weinbau und die Zertifizierung nach EU-Recht sehr viel Geld.

Mit dem Rotwein Las Lomas aus der Kooperative Covica bietet gepa einen fair gehandelten Wein mit Bio-Siegel an. Die Genossenschaft Vina Lomas de Cauquenes (Covica) erzeugt diesen Wein aus der traditionellen chilenischen Rebsorte Rebsorte País, einer unveredelten, das heißt wurzelechten Rebsorte, die sehr widerstandsfähig ist. Die 305 Mitglieder der Kooperative produzieren jährlich 16 Millionen Liter Wein. Seit 1997 wird auch ökologischer Weinbau betrieben. Der mehrfach ausgezeichnete Wein Las Lomas ist neben den südafrikanischen Weinen von Stellar Organics derzeit der einzige öko-faire Wein in Deutschland.

Algerien
Etwa 10.000 Menschen arbeiten auf den Weingütern der Kooperativen im Nordwesten Algeriens, die sich zur Union des Cooperatives des Viticulteures (COOPEVIT) zusammengeschlossen haben. Für viele Bauern ist der Weinbau die einzige Arbeitsmöglichkeit in diesen von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Gegenden. Einige Regionen sind stark von Erosion bedroht. Weinbau hat hier auch ökologische Vorteile, weil die Reben den Boden festhalten. Die staatliche Vermarktungsorganisation für landwirtschaftliche Produkte, die ONCV (Office National de Commercialisation des Produits Viti-Vinivoles), ist auch für die Weiterverarbeitung und den Export der Weine verantwortlich. Die Organisationen des Fairen Handels setzen sich hier für mehr Unabhängigkeit der Erzeuger ein, doch noch immer stehen die Weinkooperativen unter staatlicher Aufsicht. Mit dem Zusammenschluss COOPEVIT erreichten sie aber etwas mehr Unabhängigkeit. So können die Kooperativen ihre Weine heute selbst verarbeiten und abfüllen, was ihnen bessere Preise ermöglicht. Ziel des Fairen Handels ist hier auch, die Hoheit der ONCV über den Export abzubauen, so dass die Kooperativen selbst exportieren können. Da dies bisher noch nicht geschehen ist, importiert die gepa die algerischen Rotweine Mascara und Cuveé de President über ONCV. El Puente bezieht auf diesem Wege außerdem den Rotwein Côteau de Tlemcen und Medea, einen Roséwein.

Mehr Informationen über Wein aus ökologischer Erzeugung und fairem Handel finden Sie im Themenspecial Wein auf www.oeko-fair.de.


Autorin: Laura Groche
Artikel entnommen aus Verbraucher konkret 6/2003; Ergänzungen im Juli 2005


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