Blumen
In Deutschland werden im Jahr rund 40 Euro pro Kopf für Schnittblumen ausgegeben, europaweit ein Spitzenplatz. Doch man sieht der blühenden Pracht nicht an, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen sie erzeugt wurde. Orientierung bietet hier u. a. das Siegel „Blumen aus menschen- und umweltschonender Produktion“ des Flower-Label-Programms FLP für Schnittblumen aus Übersee. Umweltgerecht erzeugte Blumen aus Deutschland sind am „Grünen Zertifikat“ zu erkennen, kontrolliert ökologische Blumen an den Siegeln der anerkannten Anbauverbände.
Etwa 13 Prozent der hier verkauften Blumen werden auch hier erzeugt, besonders im Frühjahr und Sommer gibt es eine große Auswahl an Blumen aus heimischem Freiland-Anbau und aus ökologischem Anbau. Der Rest stammt vor allem aus den Niederlanden und aus südlichen Ländern wie Kolumbien, Ecuador, Kenia und Simbabwe. Mit der Blumenproduktion sind dort häufig eine Reihe von sozialen und ökologischen Problemen verbunden. In den Blumenfarmen herrschen oftmals sehr schlechte, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Niedrigste Löhne, keine geregelten Arbeits- und Pausenzeiten, Kurzzeitarbeitsverträge und die Diskriminierung von Frauen sind an der Tagesordnung. Gesundheit und Umwelt werden durch den massiven Einsatz von Pestiziden ohne geeigneten Schutz erheblich belastet. Schwere gesundheitliche Schädigungen sind die Folge, die von Augen-, Haut- und Lungenerkrankungen bis hin zu Nervenleiden, Fehlgeburten, Missbildungen und Krebs reichen.
Blumenkampagne Um die wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Situation der Beschäftigten auf den Blumenfarmen und die Umweltbedingungen bei der Blumenproduktion zu verbessern, haben das FoodFirst Informations- und Aktions- Netzwerk FIAN, das Kinderhilfswerk terre des hommes und die Aktion „Brot für die Welt“ der evangelischen Kirche 1990/91 die Blumen-Kampagne für einen fairen Blumenhandel ins Leben gerufen, an der sich internationale Organisationen und Gewerkschaften beteiligen. Das Ziel war und ist, durch öffentliche Aktionen auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Blumenindustrie aufmerksam zu machen und in Zusammenarbeit mit Produzenten, Importeuren, Industrie und den politisch Verantwortlichen Veränderungen zu erreichen. 1998 haben der Blumengroßhandels- und Importverband (BGI), der Fachverband Deutscher Floristen (FDF), FIAN, Brot für die Welt, terre des hommes und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) das Flower-Label-Programm FLP) gegründet.
Kernstück der umfassenden Richtlinien des FLP ist der Internationale Verhaltenskodex für die sozial- und umweltverträgliche Schnittblumenproduktion Er basiert auf den wichtigsten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und umfasst weltweit anerkannte Menschen- und Arbeitsrechte sowie ökologische Mindeststandards. Blumenfarmen, die nach diesen Richtlinien produzieren, erhalten das Siegel des FLP. Bei der Vergabe des Zeichens wirkt ein Gremium mit je einem Vertreter der am FLP beteiligten Organisationen und Verbände sowie eine unabhängige, internationale Kontroll- und Zertifizierungsstelle mit. Bei anerkannten FLP-Betrieben wird die Einhaltung der Kriterien zusätzlich von unabhängigen Gutachtern aus den jeweiligen Ländern regelmäßig überprüft. Werden die Nachkontrollen verweigert, so wird dem Betrieb das Siegel entzogen. Außerdem müssen für die Arbeiterinnen und Arbeiter vertrauenswürdige Beschwerdestellen eingerichtet werden.
Richtlinien Der Berufsverband Zierpflanzen in Deutschland hat Richtlinien für den „Kontrollierten Umweltgerechten Zierpflanzenanbau“ mit einem entsprechenden Kontrollsystem und zugehörigem Siegel entwickelt. Gartenbaubetriebe, die nach diesen Richtlinien produzieren, sind an dem verbandseigenen Siegel „Das Grüne Zertifikat – Partner im System kontrollierter umweltgerechter Zierpflanzenbau“ zu erkennen, das seit 1997 angewendet wird. Zu den Kriterien gehören u. a., dass Dünger und Substrate so eingesetzt werden, dass der Boden geschützt und die Bodenfruchtbarkeit erhalten wird, Trinkwasserreserven geschont und eine Nährstoffauswaschung in das Grundwasser vermieden wird. Biologischer Pflanzenschutz hat Vorrang, chemische Maßnahmen sollen auf das notwendige Maß beschränkt und erst eingesetzt werden, wenn biologische Verfahren nicht wirken oder kein ausreichender Behandlungserfolg zu erwarten ist. Der Energieverbrauch und Emissionen sollen minimiert und Abfall soll vermieden, ordnungsgemäß entsorgt und möglichst wiederverwertet werden. Nach Angaben des Verbandes gehen die Kriterien über die gesetzlichen Vorschriften hinaus. Das Prüfungs- und Kontrollverfahren läuft über die zuständigen Landesverbände des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) ab. Hier gehen die Anträge auf Betriebsprüfung ein und werden an eine unabhängige Institution weitergeleitet, die die Prüfung vornimmt. Das Zeichen wird dann vom zuständigen Landesverband des ZVG vergeben. Werden Mängel festgestellt, so bekommt der Betrieb eine Frist zur Behebung und es wird eine Nachkontrolle angesetzt. Betriebe mit dem „Grünen Zertifikat“ werden alle zwei Jahre überprüft, ob die Richtlinien für die umweltfreundliche Produktion noch eingehalten werden. Außerdem können unangekündigte Stichproben durchgeführt werden.
Zu den zentralen Punkten des ökologischen Schnittblumen- und Zierpflanzenanbaus gehören die umweltschonende Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur, der Verzicht auf chemischsynthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel und gentechnisch veränderte Produkte, der Schutz der Gewässer und des Grundwassers sowie der Einsatz von erneuerbaren Energien und Rohstoffen. Die Grundregeln für den ökologischen Landbau sind in der EG-Öko-Verordnung festgelegt. Darüber hinaus haben die anerkannten ökologischen Anbauverbände wie z. B. Bioland, Naturland oder demeter in ihren Richtlinien spezielle Anforderungen an den Anbau von ökologischen Schnittblumen und Zierpflanzen festgelegt wie z. B. ein weitgehender Verzicht auf Torf, die Festlegung eines maximalen Torfanteils in Substraten, Aussaat- und Pikiererden und das Verbot von synthetischen Ersatzsubstraten und Wuchshemmstoffen. Ein buschiger, kompakter Wuchs wird durch Schnittmaßnahmen, niedrigere Temperaturen und sparsame Düngung erreicht. Zu den häufig angebauten ökologischen Freiland-Schnittblumen gehören u. a. Malven, Lobelien, Sonnenblumen, Glockenblumen, Zinnien, Rittersporn, Gartenfuchsschwanz, Dahlien, Dill und Godetien. Blumen, wie sie aus dem gängigen Angebot eines Blumengeschäftes bekannt sind, gibt es bisher kaum in ökologischer Qualität.
In Deutschland gibt es ca. 220 Betriebe, die ökologische Zierpflanzen produzieren, davon züchten etwa 52 Betriebe ökologische Schnittblumen. Die Gesamtproduktion macht bisher einen sehr kleinen Marktanteil aus. Die Blumen werden regional vermarktet, daher fallen lange Transportwege weg. Sie werden vor allem von Ende April bis Anfang November auf Wochenmärkten, Öko-Märkten oder ab Hof verkauft. In Blumenläden oder anderen Verkaufsstätten für Schnittblumen sind sie sehr selten zu finden. Sie sind an der EG-Öko-Kontrollnummer zu erkennen, die auf jedem Produkt aus kontrolliert ökologischem Anbau stehen muss. Außerdem tragen sie das Siegel des Anbauverbandes, dem die Gärtnerei oder der Produzent angeschlossen sind.
Ausführliche Informationen rund um den ökologischen Anbau von Schnittblumen und den Fairen Blumenhandel finden Sie in unserem Themenspecial Blumen auf www.oeko-fair.de.
Autorin: Alexandra Borchard Artikel mit geringfügigen Änderungen entnommen aus Verbraucher konkret 1/2005.
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