Synthetische Duftstoffe

Jedes Jahr kommen neue Parfüms auf den Markt, die zum Teil oder gänzlich aus chemisch hergestellten Riechstoffen bestehen.

Nicht wegzudenken aus dem Alltag ist die Citrus-, April- oder Sommerfrische der Wasch- und Reinigungsmittel. Auch die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie bedienen sich eifrig aus den Töpfen der Riechstoffhersteller. Die synthetischen Duftstoffe haben nicht nur den Vorteil, billig zu sein, sondern sind chemisch gesehen einheitliche Produkte, denen die typische allergene Wirkung einiger Naturstoffe fehlt. Doch auch die industriell hergestellten Duftstoffe haben Schattenseiten. Die früher als sehr vorteilhaft beurteilte Stabilität dieser Verbindungen bringt gleichzeitig den Nachteil, dass die Stoffe persistent sind, d. h. nur sehr langsam abgebaut werden und sich in der Umwelt anreichern. Auch die steigende Zahl der Unverträglichkeiten auf bestimmte Duftmischungen zeigt, dass ein zu intensiver Duftstoffeinsatz der Gesundheit abträglich sein kann.

Zu den wichtigsten Parfumgrundstoffen für Kosmetika und Waschmittel gehören die billigen, jedoch bedenklichen synthetischen Moschusverbindungen. Eingesetzt werden Nitromoschusverbindungen und polycyklische Moschusdüfte, die Hautreizungen und Allergien auslösen können und in der Umwelt sehr stabil sind. Sie reichern sich u. a. in Fischen, menschlichem Fettgewebe und sogar in der Muttermilch an. Vom Berliner Bundesgesundheitsamt wurde Moschus-Xylol bereits 1993 als eindeutig umweltgefährlich eingestuft. Diese Chemikalie steht in begründetem Verdacht, Krebs auslösend zu sein. Moschus-Ambrette hat sich im Tierversuch als nervengiftig und erbgutverändernd erwiesen.

Auf den Druck der Öffentlichkeit empfahl der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) 1993 seinen Mitgliedsfirmen, auf Moschus-Xylol zu verzichten. Dieser freiwillige Anwenderverzicht auf bestimmte Nitromoschusverbindungen führte zur Verwendung von Ersatzstoffen, hauptsächlich der polycyclischen Moschusduftstoffe (insbesondere Galaxolide und Tonalide). Auch diese Produktgruppe wurde inzwischen in Wasser, verschiedenen Fischarten, Humanfett und Muttermilch nachgewiesen. Bei einer Untersuchung von 30 Humanmilchproben im Jahr 1996 war Galaxolide in 60 Prozent und Tonalide in 50 Prozent der Proben nachweisbar und ihre Gehalte waren höher als die der Nitromoschusverbindungen. Der sorglose Einsatz dieser Stoffe ist um so bedenklicher, als eine abschließende toxikologische Bewertung beider Stoffklassen und eine Risikoabschätzung für den Menschen noch nicht vorliegen.

In Anbetracht der steigenden Zahlen der Duftstoffallergien sollten die Hersteller das Angebot an duftstoff-freien Produkten erweitern.


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