Anthroposophische Medizin
Anfang der 20er Jahre entwickelte
Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, zusammen mit der
holländischen Ärztin Ita Wegmann ein neues medizinisches Menschenbild.
Diese neue Medizin entstand aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft,
die sich neben philosophischen und naturwissenschaftlichen Elementen auch
aus religiösen und esoterischen Gedankengut zusammensetzt.
Die anthroposophische Medizin stellt
ein geschlossenes Denksystem dar. Steiners Auffassung von Krankheit und
Heilung ist nur in diesem System zu verstehen. Er ordnete den Menschen
in vier Teile: den physischen Leib, den Ätherleib, den Astralleib
und das Ich. Der menschliche Organismus wird in drei Hauptbereiche gegliedert:
der obere, der mittlere und der untere Mensch.
Wird dieses System gestört,
gerät es aus dem Gleichgewicht, liegt eine Krankheit vor. Das Gleichgewicht
wieder herzustellen ist somit Ziel der Therapie. Am Anfang steht die Aufnahme
der Krankengeschichte – die Anamnese. In diesem ausführlichen Gespräch
zwischen Arzt und Patient kommt so ziemlich alles zur Sprache, was die
Persönlichkeit des Patienten betrifft. In der Therapie werden sowohl
homöopathische Arzneien als auch Mischpräparate mit verschiedenen
Wirkstoffen eingesetzt.
Die anthroposophische Therapie wird
oft im Paket angewendet. Neben den Medikamenten und dem Gespräch gibt
es die rhythmischen Massagen, Heil-Eurythmie (dies ist eine von Steiner
begründete Bewegungstherapie), Kunst- und Psychotherapie und individuelle
Diäten.
Vor allem bei chronischen Erkrankungen
der Verdauungsorgane, Rheuma, Allergien und psychosomatischen Erkrankungen
wird die anthroposophische Medizin eingesetzt, bei Krebs als Begleittherapie.
Hier kommt das bekannteste anthroposophische Arzneimittel zur Anwendung,
die Mistel.
Unter naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden
ist ein Wirksamkeitsnachweis nicht zu führen. Erfahrungsberichte,
Heilmittelmonographien, Fallberichte usw. machen die anthroposophische
Medizin aber nachvollziehbar.
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