Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)

Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten Therapieformen.

In der westlichen Medizin werden 200 bis 300 Pflanzen medizinisch genutzt. Drei Viertel der Weltbevölkerung stehen pflanzliche Produkte ausschließlich oder als wichtigstes Arzneimittel zur Verfügung.

In der Pflanzenheilkunde werden aus Pflanzen oder aus Pflanzenteilen Arzneimittel hergestellt. Die üblichste Darreichungsform ist der Tee. Arzneipflanzen oder deren Teile enthalten eine Vielzahl von unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Bis heute ist nicht erforscht, welche der Inhaltsstoffe eine bestimmte Wirkung hervorrufen. Dieses soll sich ändern. Derzeit beschäftigt sich die Forschung z.B. mit Pflanzenstoffen, die im sekundären Stoffwechsel der Pflanzen synthetisiert werden. Sekundäre Pflanzenstoffe sind Vitamine, natürliche Geschmacks-, Duft- und Farbstoffe oder Enzyme. In der Therapie können diese Pflanzenstoffe in den verschiedensten Bereichen eingesetzt werden: der Blutdruck kann gesenkt werden, der Cholesterinspiegel reguliert, das Immunsystem stimeliert werden. Auch können diese Stoffe entzündungshemmend, antibakteriell (gegen Bakterien) oder anitkanzerogen (gegen Krebs) wirken.

Die Wirksamkeit eines pflanzlichen Arzneimittels ist mehr als die Addition der einzelnen Wirkstoffe der Arzneipflanze. Das pflanzliche Arzneimittel als komplexes System kann, bedingt durch die vielfältigen Wechselwirkungen, sowohl in der Pflanze als auch im menschlichen Körper, anders wirken, als dies von nur einem isolierten Stoff zu erwarten wäre.

Eingesetzt werden pflanzliche Arzneien z.B. bei Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, leichten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Prostata- und Blasenleiden, Magen-Darmerkrankungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Verstauchungen.

Pflanzliche Arzneimittel werden oft mit „sanften Arzneimitteln“ gleichgesetzt. Doch das gilt nicht immer. Unerwünschte Nebenwirkungen können vor allem bei einer nicht sachgerechten Anwendung, z.B. einer zu hohen Dosis, auftreten. Nur für eine Minderheit der verwendeten Pflanzen liegen Untersuchungen zur Wirksamkeit vor. Jedoch sind für die meisten Arzneipflanzen traditionelle Erfahrungsberichte dokumentiert. In mehreren klinischen Studien hat sich z.B. der Weißdorn-Extrakt in der Behandlung von Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) bewährt.

Bei sachgerechter Anwendung treten schwere Nebenwirkungen eher seltener auf. Vor allem bei schweren Erkrankungen sollten Phytopharmaka nur unter ärztlicher Anleitung eingenommen werden.


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