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Interview mit Bärbel Höhn - "Wir können einen Neuanfang wagen"

Bärbel Höhn ist Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen.

Wie kam es zum ersten Verbraucherministerium in Nordrhein-Westfalen?

Bärbel Höhn: Es gibt bei Landwirtschaftsvertretern das Ziel, immer billigere Lebensmittel zu produzieren, damit die Leute mehr Geld für Reisen und für Autos zur Verfügung haben. Das Halte ich für den vollkommen falschen Ansatz. Man muss bedenken, dass Essen Genuss ist, Wohlbefinden für den Menschen bedeutet und gesunde Ernährung für die Gesundheit wichtig ist. Zu viele haben in dem Glauben gelebt, die Verbraucher wollen nur Menge statt Qualität. Deshalb ist es mir wichtig, aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher die Landwirtschaftspolitik zu betreiben.

Welche Rolle spielen denn die Verbraucherverbände für Sie?

Bärbel Höhn: Wir benötigen die Hilfe der Verbraucherverbände, denn sie wissen, was Kunden wünschen.

Gibt es verlässliche und zugleich einfache Informationen?

Bärbel Höhn: Wir müssen Labels schaffen, die für Verbraucherinnen und Verbraucher einfach zu erkennen sind. Ein Siegel für den ökologischen Landbau und eines für den konventionellen Landbau. Diese müssen allerdings Vorgaben erfüllen, die auch kontrolliert werden. Es geht also darum, ein einziges Ökoprüfsiegel einzuführen unter dem sich alle Verbände einreihen können. Dasselbe muss auch für ein zukünftiges Qualitätssiegel für den konventionellen Landbau gelten.

Es fällt auf, dass Händler aus ihrer Rolle herauswachsen, Mittler von Waren zu sein und vereinzelt die Rolle des Informations-Vermittlers übernehmen. Können Sie uns Wege zu gemeinsamen Initiativen aufzeigen?

Bärbel Höhn: Für die Ökowochen, bei denen wir speziell für ökologische Produkte werben, wollen wir den Einzelhandel einbeziehen. Die großen Konzerne zeigen jedoch wenig Gesprächsbereitschaft. Aufgrund der aktuellen Vorkommnisse können wir aber einen Neuanfang wagen. Das sieht auch Renate Künast auf Bundesebene so. Sie hat Landwirtschaft, Verbände, Handel und Politik an einen Tisch geholt. Wir wollen ein Verbraucher-Informationsgesetz einführen, das den Menschen das Recht gibt, bestimmte Informationen von einer Behörde zu erfragen. Die Menschen sollten das Recht haben, zu erfahren, zu welchen Ergebnissen wir beispielsweise bei der letzten Wurstkontrolle gekommen sind. Mit dem Bund führen wir bereits Gespräche, aber auch der Handel könnte Aufgaben übernehmen. Wir müssen auch intensiver mit dem Handel Strategien entwickeln. Dafür benötigen wir ein unmittelbares Feedback von der Ladentheke.

(Das Interview führte Herbert Arthen)


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