Sportler-Präparate – Fitness ist nicht käuflich
Wer Sport treibt, will sich selbst was Gutes tun und schnell Erfolge sehen. Zahlreiche Sportler-Produkte sprechen genau diese Wünsche an. Oft wird mit größerer Leistungsfähigkeit, schnellem Muskelaufbau oder verbesserter Fettverbrennung geworben. Doch was ist an diesen Aussagen dran?
Gute Durstlöscher für Sportler müssen die Zellen schnellstens mit Flüssigkeit versorgen und Mineralstoffe zum Ausgleich der Schweiß-Verluste liefern. In schicken Flaschen und tollen Farben werden im Handel so genannte Sportlergetränke angeboten. Oft erfüllen sie aber die Anforderungen an ein Sportler-erfrischendes Getränk nicht. So enthalten einige zum Beispiel Süßstoffe. Im Sport braucht der Körper Glucose, also Traubenzucker, als Brennstoff. Ein energieloses Getränk macht für den Durst im Training keinen Sinn, Süßstoffe können aber in größeren Mengen zu Durchfall führen. Manchmal ist Fructose (Fruchtzucker) enthalten. Sie hemmt die Wasseraufnahme in die Zellen und kann ebenfalls Durchfall verursachen. Auch Zusätze von Vitaminen und Mineralstoffen sind unsinnig. Zum einen sind die Vitaminverluste mit dem Schweiß sehr klein und können ohne weiteres durch die Ernährung gedeckt werden. Zum anderen scheidet der Körper das teuer bezahlte Zuviel an Mineralstoffen und Vitaminen einfach aus. Die oft aufwändige Verpackung macht solche Getränke auch ökologisch unsinnig. Ideal sind Schorlen aus einem Teil Fruchtsaft und zwei Teilen Mineralwasser. Apfel-, Trauben- und Johannisbeersaft sind dafür besonders geeignet. Zu viel Mineralstoffe, zu viel Zucker sowie Alkohol entziehen den Zellen Wasser und haben daher im Pausengetränk nichts zu suchen. Auch Leitungswasser ist beim Sport nicht geeignet, da sein Gehalt an Mineralstoffen zu gering für wirksamen Ausgleich ist.
Fitnessriegel Sie sollen vor allem schnell Energie liefern. Grundsätzlich sind sie aber nur dann sinnvoll, wenn eine Mahlzeit unter großen Belastungen wie zum Beispiel bei Bergwandertouren oder langen Radtouren durch schnell wirksame Energie ersetzt werden soll. Für den Hobbysportler reichen in der Regel auch Müsliriegel, Bananen und Trockenfrüchte. Wer doch lieber die praktisch verpackten Riegel im Gepäck haben will, der sollte die Zutatenliste sorgfältig studieren. Schnelle Energie kann ein Produkt nur dann liefern, wenn es viele Kohlenhydrate und wenig Fett enthält. Mindestens die Hälfte der Energie sollten in Form von Kohlenhydraten vorliegen. Der Eiweiß- und Fettanteil kann ruhig klein sein.
Leistungsfördernde Substanzen Seit Menschengedenken versuchen Sportler, ihre Leistungen durch gezielte Ernährungsmaßnahmen zu erhöhen. Einige Stoffe gelten als Leistungsförderer und werden in Form von Getränken, Tabletten oder Pulvern angeboten. Nach den griechischen Worten ergon (= Arbeit) und gennan (= produzieren) werden sie auch ergogene Substanzen genannt. Populär für Sportler sind unter anderem Kreatin, Taurin, Koffein und L-Carnithin.
Kreatin ist Bestandteil des Stoffes Kreatinphosphat. Bei kurzen, sehr schnellen Bewegungen wie beim Sprint gewinnen die Muskelzellen daraus ihre Energie. Dieser Stoff wird vom Körper je nach Bedarf auch bei hohen sportlichen Belastungen in ausreichender Menge selbst hergestellt. Für Ausdauerleistungen oder bei einmaligen Belastungen (z.B. Kugelstoßen) hat Kreatin keine Wirkung. Lediglich bei hochintensiven wiederholten Belastungen konnte für Kreatinpräparate eine Leistungssteigerung nachgewiesen werden. Allerdings führt Kreatin zu Wassereinlagerungen und damit zu Gewichtssteigerungen. Außerdem wird der Muskel deutlich anfälliger für Verletzungen und es kann zu Erbrechen und Durchfall kommen.
Taurin ist vor allem aus Energy-Drinks bekannt. Der menschliche Körper bildet diese schwefelhaltige Substanz selbst. Taurin ist an der Muskelarbeit beteiligt und schützt die Zellwände vor freien Radikalen. Die normale Mischkost enthält täglich ungefähr 200 mg, 12 bis 18 g sind darüber hinaus im Körper gespeichert. Eine Verbesserung der Konzentration, der geistigen oder sportlichen Leistungen durch Taurin konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es gibt jedoch Hinweise auf schwerwiegende Beeinträchtigungen des Trinkverhaltens und der Gehirnfunktionen durch hohe Taurin-Dosen.
Koffein ist ein anregender Stoff, der in schwarzem Tee, Kaffee und Guarana enthalten ist. Seine Wirkung setzt nach 30 bis 60 Minuten ein und hält danach vier bis sechs Stunden an. Tatsächlich verbessert Koffein auch die Leistungen im Ausdauersport. Es begünstigt die Fettverbrennung und verbessert die Koordination zwischen Gehirn und Muskeln. Diese Wirkungen treten aber nur bei trainierten Menschen auf. Im Leistungssport gilt Koffein ab einer Menge, die etwa sechs Tassen Kaffee entspricht, als Dopingmittel. Auch wenn es individuelle Unterschiede bei der Wirkung gibt, sind 2 Tassen Kaffee am Morgen vor einem Wettkampf sicher unbedenklich. Zuviel Koffein ruft allerdings Muskelzittern, Schwindelgefühle, Magen-Darm-Probleme und Kopfschmerzen hervor und schränkt so die Leistungsfähigkeit beträchtlich ein.
In unserem Körper ist das Eiweiß L-Carnithin als Transporter neben vielen anderen Stoffen an der Fettverbrennung beteiligt. Die Leber stellt es aus verschiedenen Eiweißbausteinen in ausreichender Menge selbst her. Da Carnithin ständig zurückgewonnen wird, können keine Mangelzustände auftreten. Häufig wird es als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, das die Fettverbrennung und die sportlichen Leistungen steigern soll. Diese Verbesserungen konnten bisher in keiner seriösen, wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden.
Autorin: Laura Groche Artikel entnommen aus Verbraucher konkret 3/2003
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