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Vitamine: Gesundheit aus der Retorte?

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher zweifeln, ob ihre Ernährung ausreicht, um gesund und fit zu bleiben. Die Werbung unterstützt diese Zweifel. Im Lebensmittelhandel, in Drogerien und in Apotheken - überall sind Multivitamin- und Mineralstoffpräparate zur Nahrungsergänzung oder entsprechend angereicherte Lebensmittel im Angebot.

Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelementen erfüllen im menschlichen Organismus lebenswichtige Funktionen. Viele biochemische Stoffwechselreaktionen können nur in Gegenwart von bestimmten Mineralstoffen oder Vitaminen ablaufen. Und auch für das Immunsystem sind sie von großer Bedeutung. Da unser Körper Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente nicht selbst bilden kann, müssen diese mit der Nahrung in kleinen Mengen zugeführt werden.

Wie viel ein Mensch von jedem Vitamin und Mineralstoff benötigt, ist individuell und von Tag zu Tag verschieden. Viele Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Stress, der Umgang mit Genussmitteln, der Gesundheitszustand und die körperliche Betätigung beeinflussen den Bedarf.

Die empfohlenen Nährstoffwerte jeden Tag exakt einzuhalten, ist unmöglich und zudem unnötig. Denn der Körper gleicht tägliche Versorgungsschwankungen bei einzelnen Stoffen aus. Hier reicht es völlig, wenn die empfohlene Vitamin- und Mineralstoffbilanz im Wochenrhythmus eingehalten wird.

Entscheidend ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung, die alle wertvollen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe in ausreichender Menge liefert. Das funktioniert mit einer ausgewogenen Zusammenstellung der Grundnahrungsmittel aus allen Lebensmittelgruppen:
1. Milch und Milchprodukte
2. Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Haferflocken und andere Vollkorngetreideerzeugnisse
3. Gemüse und Hülsenfrüchte
4. Obst und Nüsse
5. Getränke
6. Fleisch, Wurst, Innereien, Fisch und Eier
7. Fette
Bei Fleisch, Wurst, Innereien, Fisch und Eiern sowie Fetten gilt: Weniger ist mehr. Bevorzugen Sie frische Nahrungsmittel und eine schonende Zubereitung.

Alternative aus der Retorte?
Seit Vitamine synthetisch und preiswert herzustellen sind, erobern sie die Märkte der Welt. Das Geschäft hat auch bei den Mineralstoffen begonnen. Im Lebensmittel-handel, in Drogerien und in Apotheken, überall sind Produkte und Präparate zur Nahrungsergänzung im Angebot.

Rein chemisch betrachtet sind das natürliche Original-Vitamin und seine synthetische Kopie identisch. Deshalb werben Hersteller gerne mit den „wertvollen“ Vitaminen und Mineralstoffen für ihre Produkte. So genannte ACE-Getränke beispielsweise enthalten hohe Dosen an Vitamin C und E sowie dem Provitamin Betacarotin. Diesen Vitaminen scheint wegen ihrer antioxidativen Wirkung eine Schutzfunktion vor Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen zuzukommen.

Doch das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Dies belegen zwei Studien, die das New England Journal of Medicine 1996 veröffentlichte: Beide Studien untersuchten die schützende Wirkung von Betacarotinpräparaten auf die Entstehung von Krebs und und Herz-Kreislaufkrankheiten. Die eine Studien kam zu dem Schluss, dass durch eine Betacarotineinnahme weder die Krebshäufigkeit noch die Sterblichkeit an Herz-Kreislaufkrankheiten verringert wird. Die andere Studie wurde vorzeitig abgebrochen: Die Gruppe, die Vitaminpillen einnahm, hatte ein höheres Krebsrisiko und ein höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken.

Wichtig scheint das Zusammenwirken und das Gleichgewicht aller in Lebensmitteln enthaltenen Stoffe zu sein. Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe senken gemeinsam das Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten oder an Krebs zu erkranken. Nur eine obst- und gemüsereiche Ernährung ermöglicht eine optimale Zufuhr aller wichtigen Inhaltsstoffe.


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