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Ökologischer Weinbau

Um Wein zu erzeugen, werden häufig Chemikalien eingesetzt. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Weinliebhaber.

Doch es gibt eine umweltfreundliche und wohlschmeckende Alternative: den Öko-Wein. Früher von Weinkennern als untrinkbar abgetan, stoßen mehr und mehr ökologisch erzeugte Weine an die Spitze von nationalen und internationalen Wettbewerben vor. Regelmäßig empfiehlt der Gault-Millau-Weinguide für Deutschland auch ökologisch arbeitende Weingüter.

Die meisten deutschen Öko-Winzer sind im Bundesverband Ökologischer Weinbau zusammengeschlossen und kennzeichnen ihre Weine mit dem Gütezeichen „Ecovin“. Auch die ökologischen Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland zählen Öko-Winzer zu ihren Mitgliedern.

Ziel des ökologischen Weinbaus ist es, die Bodenfruchtbarkeit durch Begrünung der Rebzeilen zu verbessern. Es werden gezielt standorttypische Pflanzen eingesät, wie diverse Gräser, Klee, Lupine, Malven, Phacelia, Sonnenblumen und Wicken, die zum einen den Boden anreichern und zum anderen Platz für Nutzinsekten bieten, die die überall vorhandenen Weinbergsschädlinge vertilgen sollen. Statt Kunstdünger verwenden Öko-Winzer Seealgenmehle, Ernterückstände und Abfälle aus der Weinbereitung (Traubenreste und Hefe), Stroh, Rindenkompost, biologisch-dynamische Kompostpräparate und organische Handelsdünger.

Das alleine nützt jedoch wenig, wenn nicht auf chemische Mittel wie Phosphorsäure-Ester, Chlorkohlenwasserstoffe, Pyrethroide, Dithiocarbamate und andere Mittel gegen Pilzbefall und Insekten verzichtet wird. Stattdessen bringt der Öko-Winzer Brennesseltee, Kieselsol, Propolis oder Algenextrakte aus, um Luft, Boden und Trinkwasser nicht mit schwer abbaubaren und zum Teil hochgiftigen Präparaten zu verunreinigen. Die sanften Mittel müssen gezielt und zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Das kann auch nachts der Fall sein, weshalb manche konventionelle Winzer ihren ökologisch arbeitenden Kollegen unterstellen, heimlich chemische Keulen zu versprühen. Denn Öko-Anbau, egal ob von Wein, Getreide oder Gemüse, heißt nicht, die Natur einfach schalten und walten zu lassen. Auch Öko-Bauern müssen in den Wachstumskreislauf eingreifen. Die einzigen erlaubten weniger umweltfreundlichen Mittel sind geringe Mengen von Schwefel- und Kupferpräparaten, zu denen es bislang noch keine überzeugenden Alternativen gibt. Denn gegen den Echten und den Falschen Mehltau, im letzten Jahrhundert aus Amerika eingeschleppt, wurden noch keine zufriedenstellenden Mittel entwickelt. Diese Präparate werden nur in Notfällen angewendet, denn das Schwermetall Kupfer baut sich nur sehr langsam im Boden ab.

Weinbereitung mit Fingerspitzengefühl
Doch damit ist die Arbeit des Öko-Winzers nicht getan. Diese setzt sich im Keller fort. Absolute Sauberkeit und sorgfältigstes Arbeiten mit dem Traubenmaterial von Beginn der Ernte an sind oberstes Gebot. Während im herkömmlichen Weinbau auftretende Geschmacksfehler durch zu viel Oxidation, unsaubere Maschinen und Behälter oder schlechten Gärverlauf mit Mitteln wie Blutlaugensalz und Kupfersulfat meist bereinigt werden können, stehen dem Biowinzer solche Methoden nicht zur Verfügung. Er muß also von Anfang an mit mehr Fingerspitzengefühl arbeiten, um ein gutes Endprodukt anbieten zu können.

Das ist nicht nur für die Umwelt von Vorteil, sondern auch für den Verbraucher. Denn der Gesetzgeber lässt so manches zu, was dem Weingenießer auch im übertragenen Sinn Kopfschmerzen bereiten kann. So führt der Zusatz von Sorbin- oder Ascorbinsäure bei manchen Konsumenten zu Allergien. Aus stark chlorbehandelten Korken, bei billigen, kleineren Korken leider keine Seltenheit, können Rückstände in den Wein gelangen, die dort nichts zu suchen haben und bei reichlichem Genuss gesundheitsgefährdend sein können. Ein Zuviel an Schwefeldioxid führt zur Beeinträchtigung des Vitamin-B1-Haushalts und bereitet in erster Linie Allergikern und Asthmatikern Probleme. Allerdings setzen auch Öko-Winzer oft etwas Schwefel zu, um den Wein haltbarer zu machen. Die Obergrenze liegt im ökologischen Weinbau bei zwei Dritteln der gesetzlich zugelassenen Werte. Meistens kommen Biowinzer bei sauberer und sehr sorgfältiger Kellerarbeit jedoch mit weniger aus.

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Verbraucher Konkret 5/6-2009
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