Toxaphen in Fischen

Rücksichtslose Vergiftung der Meere, Überfischung und veraltete Fischfangtechniken haben zu Folge, dass das ökologische Gleichgewicht der Meere zu kippen droht.

Im Juli 1998 beschloß die OSPAR-Umweltministerkonferenz erste Maßnahmen zum Schutz des Meeres. Danach soll die Einleitung von Schadstoffen in die Nordsee und den Nordost-Atlantik bis zum Jahr 2020 gestoppt und die Einleitung radioaktiver Stoffe aus landseitigen Quellen eingestellt werden.

Der Fisch ist eine wichtige Nahrungsquelle; reich an hochwertigen Proteinen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Vitamin D und dem wichtigen Spurenelement Jod. Für eine ausreichende Jodversorgung wird empfohlen, zweimal pro Woche Seefisch zu essen. „Fisch ist gesund“ verkündet die Werbung. Kein Wunder, dass der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch, Fischerzeugnissen sowie Krebs- und Weichtieren steigt. 1996 verzehrten die Bundesbürger etwa 14,5 kg davon. Doch es gibt auch eine Schattenseite der Meeresfrüchte: die hohe Belastung mit Schwermetallen, Pestiziden und anderen Umweltchemikalien sollten nicht ignoriert werden.

Organische Chlorverbindungen sind in der Natur fremd und können von Enzymen meist nicht abgebaut werden – als fettlösliche Stoffe reichern sie sich im Fettgewebe der Tiere und Menschen an. Zu diesen sehr langlebigen Chemikalien gehören u. a. DDT, Chlordan, Toxaphen, Dioxine und PCBs. Die meisten dieser besonders problematischen Umweltschadstoffe sind Pestizide. Zum Teil wurden sie in der Arktis in höheren Konzentrationen als in unseren Breitengraden gefunden. Die Produktion und Verwendung z.B. von DDT, Toxaphen und Chlordan ist seit mehreren Jahren in Europa verboten. Es konnte nachgewiesen werden, dass z.B. das langlebige und schwerabbaubare DDT hormonell aktiv ist und die Reproduktionsfähigkeit von Seevögeln stört. Doch ein weltweites Verbot der schädlichsten Pestizide läßt auf sich warten.

Obwohl viele dieser Produkte der Organochlorchemie durch Verbote aus unserer unmittelbaren Umwelt verbannt worden sind, kommen sie doch - z. B. in Fischen und Meeresfrüchten - auf unseren Teller zurück. In der Vergangenheit wurden in Fischen besonders häufig die Pestizide Chlordan und Toxaphen nachgewiesen. Sie zeichnen sich durch eine lange Lebensdauer in der Natur aus und stehen im Verdacht, eine krebserzeugende Wirkung zu haben.
Nach einer umfassenden Untersuchung der Rückstände im Fisch wurden im Oktober 1997 ihre Grenzwerte angehoben. Die erlaubten Gehalte für Toxaphen, - auch chloriertes Camphen oder Camphechlor genannt - wurden von 0,01 mg/kg Fisch auf das Zehnfache und für Chlordan von 0,01 mg/kg auf das Fünffache heraufgesetzt. Dieses Vorgehen ist nicht etwa Folge einer neu entdeckten Unbedenklichkeit dieser Chemikalien, sondern die pragmatische Anpassung der erlaubten Schadstoffkonzentration an die steigende Belastung der Fische mit diesen Pestiziden. Denn nach den alten Grenzwerten wären zur Zeit etwa 75 Prozent der fettreichen Seefische zu hoch belastet, um in den Verkauf zu gelangen. Mit den neuen Grenzwert ist so dafür gesorgt, dass der Fisch weiterhin auf unseren Tisch kommt.

Nach Auffassung der VERBRAUCHER INITIATIVE muss eine Warnung an Verbraucherinnen und Verbraucher ausgesprochen werden, zumindest auf den Verzehr fettreicher Seefische wie z. B. Hering so lange zu verzichten, bis die Rückstände deutlich zurückgehen. Außerdem sollte die Bundesregierung sich für ein internationales Verbot der langlebigen Organochlorpestizide einsetzen.

Tipp:
Viele der Schadstoffe sind fettlöslich, daher ist insbesondere bei fettreichen Fischarten Vorsicht geboten. Bei mageren Fischarten wie Seelachs, Kabeljau, Flunder und Scholle ist die Schadstoffbelastung deutlich geringer als z.B. beim Hering.

Ausführliche Informationen zu Fischfang, Fischzucht und ökologischer Aquakultur finden Sie auf www.oeko-fair.de im Themenspecial Fisch.


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