Selbstmedikation per Mausklick
Verbraucher Initiative testete Online-Apotheken
Berlin, 20. Februar 2004. Seit dem Jahresbeginn ist der Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland erlaubt. Doch der Online-Handel mit Arzneimitteln hat Mängel wie lange Lieferzeiten, unklare Rechtssituation bei der Rückgabe der Medikamente oder mangelnde Patientenberatung. Die VERBRAUCHER INITIATIVE hat aktuell den Online-Handel mit rezeptfreien Medikamenten und zusätzlich das Beratungsangebot einiger Internetapotheken getestet.
„Wir haben acht Internetapotheken hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit ihrer Internetseiten, des Sortiments, des Bestellungsablaufs sowie der Schnelligkeit und des Zustands der Lieferung getestet“, so Dr. Silvia Pleschka von der VERBRAUCHER INITIATIVE. Das Ergebnis: das Sortiment ist umfangreich, die Nutzerfreundlichkeit der Internetseiten in der Regel gut. In allen Fällen ist die Bestellung im guten Zustand angekommen. „In den meisten Fällen erreichte uns die Bestellung innerhalb von drei Arbeitstagen“, so die Gesundheitsreferentin.
„Neben dem Versand ist die Qualität der Patientenberatung besonders wichtig“, so Dr. Pleschka. Deshalb wurde zusätzlich auch die Onlineberatung getestet. Hier erhielten die meisten der getesteten 16 Internetapotheken schlechte Noten. Fast die Hälfte der Anfragen wurde gar nicht beantwortet, nur ein Viertel der Antworten erfolgte ausführlich und zeitnah.
Die getesteten Internetapotheken verweisen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) auf das im Gesetz geregelte Widerrufsrecht, das den Internetkäufern innerhalb von 14 Tagen eingeräumt wird. Teilweise versuchen die Internetapotheken, dieses Recht in unzulässiger Weise einzuschränken oder auszuschließen. „Da einige Versandhandelsapotheken glauben, Medikamente seien grundsätzlich von der Rückgabe ausgeschlossen, wird es darüber sicherlich Gerichtsverfahren geben, die diese nach dem Gesetzeswortlaut eindeutige Frage klären,“ so Dr. Pleschka. „Ausgeschlossen ist das Widerrufsrecht nach dem Gesetz nämlich nur bei Medikamenten, die speziell für den Kunden hergestellt wurden, schnell verderblich sind oder deren Verfallsdatum kurz bevor steht“.
„Von Sparen beim Medikamentenkauf online kann nicht die Rede sein“ gibt die Gesundheitseferentin zu bedenken. Die meisten Medikamente im Internet sind kaum billiger als in der örtlichen Apotheke. Sonderaktionen, Reduzierungen und Rabatte sollen im Netz die Kauflust erhöhen, doch richtige Schnäppchen sind selten. „Bei rezeptfreien Medikamenten werden in der Regel Versandkosten zwischen 3,90 und 5,00 Euro fällig,“ so Pleschka. Und die müssen auf den Preis draufgerechnet werden.
Bei Streitigkeiten mit dem Internetanbieter bietet die VERBRAUCHER INITIATIVE Hilfe mit der Schlichtungsstelle für außergerichtliche Streitbeilegung im Internet-Handel unter www.ombudsmann.de. Dort gibt es auch weitere Informationen zu den Rechten und Pflichten beim Internet-Shopping.
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