Tierschutz in Deutschland – Who is who?
Mit der Aufnahme in das Grundgesetz wurde neben dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen auch der Tierschutz zum Staatsziel. Diese Änderung war auch das Ergebnis der jahrelangen Bemühungen von Tierschutzverbänden. Verbraucherinnen und Verbraucher finden sich einer Vielzahl von Verbänden gegenüber, die sich dem Namen nach für diese Ziele einsetzen. Einige stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor.
Einen Hinweis auf ihre Seriosität bietet die – freiwillige - Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat. Unter den Tierschutzorganisationen haben sich der Deutsche Tierschutzbund e.V., der Bundesverband Tierschutz e.V., der Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Pro Vieh – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V., Vier Pfoten e.V. sowie der Tierschutzverein Frankfurt am Main und Umgebung von 1841 dem Deutschen Spendenrat angeschlossen (Stand April 2004).
Deutscher Tierschutzbund e.V. Schon 1881 gegründet, ist der Verband mit Sitz in Bonn heute die größte nationale Dachorganisation des Tierschutzes in Europa. Die 16 Landesverbände koordinieren die Arbeit, mehr als 700 Tierschutzvereine und 500 Tierheime sind dem Verband angeschlossen. Schwerpunkt der politischen Arbeit des Verbands sind die art- und umweltgerechte Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere, die Reform des Jagdrechts und der Kampf gegen den Einsatz gentechnischer Verfahren an Tieren. Mit der Schirmherrschaft über ein virtuelles Tierheim setzt sich der Deutsche Tierschutzbund auch für Heimtiere ein. Als ordentliches Mitglied des Zusammenschlusses europäischer Tierschutzorganisationen (Eurogroup for Animal Welfare) engagiert sich der Verband auch auf Europaebene für seine Ziele. Er unterhält darüber hinaus die „Stiftung des Deutschen Tierschutzbundes“, die sich besonders gegen Tierversuche engagiert und den Tierschutz-Förderpreis vergibt.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. Mit sieben verbandseigenen Tierheimen und mehreren Gnadenhöfen sowie über die elf Geschäftsstellen im gesamten Bundesgebiet betreibt der 1952 gegründete Verein gleichermaßen praktischen wie politischen Tierschutz. Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund und dem Bund gegen Missbrauch der Tiere bildet er das „Bündnis Tierschutz“. Als offizieller Beobachter in der Eurogroup for Animal Welfare setzt er sich auch auf Europaebene für den Tierschutz ein. So kämpft er unter anderem für europaweit einheitliche Vorschriften für Tiertransporte und speziell für deren zeitliche Begrenzung auf acht Stunden. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist dem Verein das Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände nach dem Muster dessen für die Verbände des Naturschutzes. Als einziger Tierschutzverband richtete der Bund gegen Missbrauch der Tiere schon 1993 eine Stelle für einen speziell ausgebildeten Tierschutzlehrer ein. Die Lehrerin, die diese Stelle heute besetzt, bietet Unterricht für alle Altersstufen an. Indem Tierschutz auf diese Weise zum Unterrichtsthema gemacht wird, sollen Kinder und Jugendliche für ein aufmerksames und respektvolles Verhältnis zu Tieren und Lebensmitteln sensibilisiert werden. Interessierte Schulen können sich direkt an die Tierschutzlehrerin wenden. Der Unterricht wird an Alter und Interessenlage der Schüler angepasst.
Bundesverband Tierschutz e.V. Seit 1961 engagiert sich der Verband mit Sitz in Moers für den Schutz der Tiere. Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund und dem Bund gegen Missbrauch der Tiere bildet er das „Bündnis Tierschutz“. Politisch bemüht sich der Verband in zahlreichen Gremien um den Ausbau des Tierschutzes. So zum Beispiel in der Tierschutzkommission des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) und in den Tierschutzbeiräten der Bundesländer. Bei seinem Engagement gegen Tierversuche arbeitet der Bundesverband Tierschutz unter anderem eng mit dem „Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (ZET)“ zusammen. Mit christlichen und muslimischen Religionsgemeinschaften steht der Verband in Kontakt, um den Tierschutz auch bei den Kirchen stärker zu verankern. Ein besonderes Anliegen ist dem Bundesverband das Thema „Senioren und Tiere“. So kümmert sich der „Freundeskreis betagter Tierhalter“ um die Haustiere verstorbener Mitglieder. Der Bundesverband hat zudem eine Liste der deutschen Altersheime erarbeitet, in denen Tiere gehalten werden dürfen.
Pro Vieh – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V. Der 1973 gegründete Verband mit Sitz in Schleswig-Holstein hat sich auf den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere spezialisiert. Er setzt sich hinsichtlich ihrer Zucht, Haltung, Fütterung und Schlachtung dafür ein, dass die Tiere mit Respekt behandelt und artgerecht gehalten werden. Pro Vieh fordert unter anderem das Verbot der Haltung von Pelztieren und Exoten wie etwa Straußen. Statt Hochleistung sollen Gesundheit und die Anpassung an den jeweiligen Standort zu Züchtungszielen werden. Die Anwendung gentechnischer Verfahren bei Nutztieren lehnt der Verband strikt ab. Spezielle Arbeitskreise erarbeiten die Positionen des Verbandes zu Stallneubauten und Tierseuchen. Durch politische Stellungnahmen bei Behörden und Politikern, die Mitarbeit in den Tierschutzbeiräten der Bundesländer und durch die Aufklärung und Sensibilisierung der Verbraucher setzt sich Pro Vieh für seine Ziele ein.
Vier Pfoten e.V. Die Stiftung Vier Pfoten ist seit 1994 in Deutschland aktiv. Sie betreibt vor allem politische Lobbyarbeit und ist darüber hinaus stark international engagiert. So betreibt Vier Pfoten ein Bärenschutzprojekt in Österreich und unterstützt die Befreiung und artgerechte Unterbringung von Tanzbären in Bulgarien. Den David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT) in Kenia unterstützt der Verein mit einem Tierarzt und seinem Team. Dadurch erhält das Auswilderungsprogramm für junge Elefanten Unterstützung. Seit 1999 betreibt der Verein eine Veterinärstation im Kosovo, um so die Verbreitung von Krankheiten und Tierseuchen zu verhindern.
Die wichtigsten Adressen Deutscher Tierschutzbund: www.tierschutzbund.de, Tel. 0228/60 49 60 Das virtuelle Tierheim: www.tiervermittung.net Bundesverband Tierschutz: www.bv-tierschutz.de, Tel. 02841/2 52 44 Bund gegen Missbrauch der Tiere: www.bmt-tierschutz.de, Tel. 089/38 39 52 - 0 Pro Vieh: www.provieh.de, Tel. 0431/24 82 8-0 Vier Pfoten: www.vier-pfoten.de, Tel. 040/399 249 – 0 Eurogroup of Animal Welfare: www.eurogroupanimalwelfare.org Deutscher Spendenrat: www.spendenrat.de. Hier finden Sie eine Liste aller Mitglieder. Worauf Sie vor einer Spende und im Umgang mit Spendensammlern achten sollten, hat die STIFTUNG WARENTEST zusammengestellt. Sie finden den Artikel "Gib uns Dein Geld" aus Finanztest 12/2004 auch online.
Autorin: Laura Groche Artikel mit geringfügigen Änderungen entnommen aus Verbraucher konkret 3/2004
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