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Landwirtschaft in Deutschland – Who is Who?

Getreide und Fleisch, Obst und Kartoffeln kommen - ganz klar - vom Bauern. Etwa eine Million Menschen versorgen uns auf 400.000 landwirtschaftlichen Betrieben täglich mit Lebensmitteln und die Betriebe der Ernährungswirtschaft mit Rohstoffen. Viele Organisationen vertreten die Interessen der Landwirte.

Je nach Region und vorherrschender Betriebsstruktur sind 80 bis 90 % aller Landwirte Mitglied in einem der Landesbauernverbände. Über die Geschäftsstellen der Kreisbauernverbände haben die Landwirte so Zugang zu Beratungs- und Dienstleistungsangeboten zu Buchführung, Fragen der sozialen Sicherung oder auch Betriebsumstellungen. Die Landesbauernverbände vertreten die Interessen ihrer Mitglieder auf Länderebene. Die Landesbauernverbände sind ihrerseits Mitglied im Deutschen Bauernverband e.V. (DBV). Dabei ist der Verband so organisiert, dass die mitgliederstärksten Landesbauernverbände auch die meisten Stimmen in  den Entscheidungsorganen des Verbandes haben. Obwohl der DBV für sich beansprucht, die Interessenvertretung aller Landwirte zu sein, sind daher schon aus organisatorischen Gründen die Interessen der großen konventionellen Betriebe stärker repräsentiert.

Der Bauernverband ist der wichtigste und einflussreichste Verband landwirtschaftlicher Interessenvertretung. Mit Büros in Bonn, Berlin und Brüssel bemüht er sich auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene, dass die Interessen des DBV bei Gesetzen usw. berücksichtigt werden. Traditionell hat der Bauernverband großen Einfluss auf die Agrarpolitik der Bundesregierung. Wenn über die so genannte Agrarlobby berichtet wird, ist stets auch der Bauernverband gemeint.
Informationen unter: www.bauernverband.de

Einer der mit dem DBV assoziierten Verbände ist der Deutsche LandFrauenverband
(dlv). Er vertritt bundesweit die Interessen der auf dem Land lebenden Frauen und ihrer Familien. Der Schwerpunkt der Verbandsarbeit liegt auf der Aus- und Weiterbildung von Frauen im ländlichen Raum. Vor allem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für die deutsche Landwirtschaft und ihre Produkte treten die Landfrauen oft in Erscheinung.
Informationen unter: www.dlv-online.de

Mit Plakaten und Fernsehwerbespots wird bei Verbrauchern für deutsche Agrarprodukte geworben. Die Organisation hinter der Werbung ist die Centrale Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA). Auf der Grundlage des Absatzfondsgesetzes von 1969 ist die CMA für das gemeinsame Marketing der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft verantwortlich. Das Geld für die Organisation und ihre Kampagnen kommt aus dem so genannten Absatzfonds, in den die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie einzahlen. In Molkereien, Schlachtereien, Eierpackstellen oder Ölmühlen passieren landwirtschaftliche Rohstoffe die engste Stelle ihres jeweiligen Marktes, bevor sie in verschiedene Produkte weiterverarbeitet werden. In diesen so genannten Flaschenhalsbetrieben wird der Beitrag der Branche für den Absatzfonds erhoben. Im Moment zahlen etwa Molkereien für je 1000 kg angelieferte Milch 1,22 Euro in den Absatzfonds ein, Eierpackstellen führen 30 Cent pro 1000 verpackte Eier und Schlachthöfe 51 Cent pro geschlachtetem Schwein ab. Die CMA gibt das Geld anteilig für Marketingmaßnahmen in den Bereichen aus, die es eingezahlt haben. Aus diesem Grund sind Werbespots für Milch, Fleisch und Zucker häufig, während Obst und Gemüse nur selten beworben werden.
Mehr Informationen zur CMA finden Sie unter www.cma.de. Das Absatzfondsgesetz ist unter www.absatzfonds.de nachzulesen.

Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) ist ebenfalls eine wichtige Organisation der deutschen Landwirtschaft. Ihr Ziel ist die Förderung des Fortschritts in der Land- und Ernährungswirtschaft. Dem dienen auch die großen Fachmessen Agritechnica, EuroTier und AnugaFoodTec, die von der DLG organisiert werden.

Im Verbraucheralltag fällt die Organisation aber vor allem durch die Kennzeichnung „DLG-prämiert“ auf vielen Lebensmittelverpackungen auf. Regelmäßig werden Lebensmittel aus dem In- und Ausland auf Eigenschaften wie  Geschmack, Geruch und Konsistenz überprüft. Dafür vergibt die DLG besagte Auszeichnungen. Die Datenbank www.label-online.de gibt Auskunft, wie diese Kennzeichnung einzuschätzen ist. Mehr über die DLG erfahren Sie unter www.dlg.org.

Die bisher vorgestellten Organisationen vertreten traditionell die konventionelle Landwirtschaft. Sie treten in der Regel gemeinsam und geschlossen auf und verleihen so den Forderungen des Bauernverbandes besonderes politisches Gewicht. Auch wenn jede unterschiedliche Ziele hat, sind sie doch Teil eines Netzwerkes, das durch programmatische, organisatorische und personelle Verflechtungen gekennzeichnet ist. So ist Gerd Sonnleitner gleichzeitig Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und des Deutschen Bauernverbandes. Er ist darüber hinaus der Vorsitzende des Verwaltungsrates des Absatzfonds sowie Mitglied des Aufsichtsrates der CMA. Doch nicht alle Landwirte sehen ihre Interessen durch den Bauernverband zu ihrer Zufriedenheit vertreten. Da die beschriebenen Dienstleistungen und oftmals auch soziale und kulturelle Aktivitäten im ländlichen Raum eng mit den Landesbauernverbänden verknüpft sind, tritt nicht jeder Landwirt bei Kritik am Bauernverband aus. Doppelmitgliedschaften im Bauernverband und einer anderen Interessenvertretung sind daher weit verbreitet.

Traditionell wurden im Osten Deutschlands immer große Flächen bewirtschaftet. Durch das System Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR bildeten sich zudem andere Betriebsstrukturen als Westdeutschland. Weil sich die privaten Bauern Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung vom Deutschen Bauernverband nicht gut vertreten sahen, gründeten sie den Deutschen Bauernbund. Er ist heute der Dachverband der privaten Bauernverbände Deutschlands.
Informationen unter www.bauernbund.de.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. (AbL) setzt sich politisch für eine nachhaltige, sozia lund umweltverträgliche Form der Landbewirtschaftung ein. Neben konventionell und ökologisch wirtschaftenden Landwirten sind auch Menschen aus Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz Mitglieder in der AbL. Mit Neuland setzte die AbL ihre Vorstellungen von nachhaltiger Landwirtschaft in ein Markenfleischprogramm um. Im AgrarBündnis arbeitet die AbL seit vielen Jahren gemeinsam mit Verbänden aus dem Natur-, Umwelt, und Tierschutz sowie der Entwicklungspolitik für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für bäuerliche Landwirtschaft. Auch die VERBRAUCHER INITIATIVE ist Teil dieses Bündnisses.
Informationen unter www.abl-ev.de.

Die Interessen der ökologischen Landwirtschaft werden vor allem von den jeweiligen Anbauverbänden vertreten. So bemüht sich Bioland auf Landes-, Bundes- und Europaebene um Einflussnahme auf die einschlägige Gesetzgebung. Auch Demeter unterhält ein Büro in Brüssel und pflegt Kontakte zu Abgeordneten und Beamten in den Ministerien, um den Interessen der ökologischen Landwirtschaft Gehör zu verschaffen. Vergleichbar mit dem Bauernverband bieten beide Verbände ihren Mitgliedsbetrieben Dienstleistungen und Beratung.

Wie andere ökologische Anbauverbände sind auch Demeter und Bioland Mitglieder im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Unter seinem Dach haben sich Vertreter der gesamten ökologischen Wertschöpfungskette von Landwirten über Verarbeiter bis zum Handel zusammengeschlossen, um ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu einer besseren Marktposition zu verhelfen. Die politische Lobbyarbeit im Sinne der ökologischen Lebensmittelwirtschaft ist ebenso wie Öffentlichkeitsarbeit Hauptaufgabe des BÖLW.
Informationen unter www.demeter.de, www.bioland.de und www.boelw.de.


Autorin: Laura Groche
Artikel mit geringfügigen Änderungen entnommen aus Verbraucher konkret 5/2003


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